Die Mistel

Die Laubholzmistel (Viscum album) wächst als immergrüner Halbstrauch meist auf Ästen von Bäumen. Die weiblichen Exemplare sind dabei sattgrün, männliche gelblich-grün. Als Halbschmarotzer entzieht Sie ihrem Wirt Wasser und darin gelöste Minerale aus dem Xylem. Insbesondere im Winter werden die Bäume geschwächt, was ein frühzeitiges Absterben zur Folge hat.
Die Blühte beginnt – in Abhängigkeit von Klima – im Januar und dauert bis in den April hinein. Die kleinen, gelben Blüten sind unscheinbar. Die Fruchtreife der weißen Beeren beginnt im November. Die Samen sind von einem klebrigen Fruchtfleisch umgeben. Aus einem Samen können sich nach der Keimung bis zu vier Embryonen bilden. Die erstmalige Blüte findet im Alter von etwa 6 Jahren statt.
Die Verbreitung der Mistel erfolgt hauptsächlich durch Vögel. Zum einen durch die Verdauungsverbreitung: Der innere Teil der Frucht, welcher den Samen umgibt, kann durch seine zähschleimige Konsistenz nicht verdaut werden. Somit wird dieser nach kurzer Darmpassage wieder ausgeschieden. Zum anderen gibt es Vogelarten, die nur die äußere Hülle der Beeren fressen und die klebrigen Samen direkt im Baum abstreifen. Durch die klebrigen Fäden bleiben die Samenstränge an den Ästen hängen und beginnen bei günstiger Witterung zu keimen. Durch die milden Winter der letzten Jahre bleiben viele Zugvögel länger bei uns, was eine verstärkte Samenverbreitung zur Folge hat.

Etwa im 2. Jahr nach der Keimung bildet der Strauch eine Senkwurzel aus und zapft die Wasser- und Assimilatsysteme seines Wirts an. Im Laufe der Zeit bildet die Mistel weitverzweigte Haustorien (Sekundärwurzeln) aus, aus denen neue Austriebe entstehen können.

Bedeutung für den Streuobstbau
Zusammen mit anderen Stressfaktoren bedeutet der Mistelbefall vor allem bei Äpfeln eine große Bedrohung für den landschaftsprägenden Streuobstbau. Insbesondere vernachlässigte oder aufgegebene Bestände mit hohem Misteldruck gelten weithin als Streuherde, welche sich auf andere Flächen ausdehnen. Bereits durch Hitze- und Trockenperioden geschwächte Bäume reagieren nach einem Befall mit reduzierter Vitalität, was sich bspw. mit kurzen Jahrestrieben äußert oder dem Absterben einzelner Astpartien. Werden die Misteln nicht entfernt, so kann sich die Population in kurzer Zeit exponentiell vermehren. Als eine der Ursachen kann das enorme Samenpotential einer älteren Mistel angesehen werden, ebenso wie die Fähigkeit Jungpflanzen aus den Seitenwurzeln zu entwickeln.

Insbesondere Exemplare, welche sich im oberen Kronenbereich angesiedelt haben, lassen aus ihren im Frühjahr aufgeplatzten Früchten Samen auf untere Astpartien fallen. Stellt eine kleine Wunde bei der Entnahme von Misteln vor allem im oberen und äußeren Kronenbereich kein Problem dar, so wird bei einer großen Kolonie auch der Stamm und die Leitastbasis parasitiert. Sobald dies eintritt, gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: a) einen sogenannten Rumpfschnitt, oder b) der Baum stirbt innerhalb kurzer Zeit ab / muss gerodet werden. Variante a) ist hierbei im Hinblick auf die Biodiversitätsleistung deutlich zu bevorzugen, da eine Sekundärkrone aufgebaut werden kann. Eine regelmäßige Baumpflege trägt dazu bei eine ungehinderte Verbreitung eindämmen, und sorgt zudem noch für vitale Bäume mit besserer Fruchtqualität. Die Bedeutung der ungebremsten Ausbreitung der Mistel für den Streuobstbau liegt also im Extremfall darin, dass ganze Wiesen keine laubtragenden Bäume mehr haben. Da es noch weitere weichholzige Baumarten gibt, auf denen die Mistel sich vermehren kann, ist eine Entnahme in Streuobstwiesen aus ökologischer Sicht unbedenklich. Auch die immernoch weitverbreitete Annahme, die Mistel stehe unter Naturschutz, ist nicht korrekt. Um der weiteren Ausbreitung entgegenzuwirken veranstaltet WiesenObst e.V. alljährliche ein Mistelaktion. Weiter Infos dazu finden Sie hier: https://www.wiesenobst.org/mistelaktion/

Die richtige Technik zur Entnahme
Erkennt man im unbelaubten Zustand einen beginnenden Befall, so ist Eile geboten. Kleine Schnittwunden werden von den Bäumen besser verkraftet und die weitere Ausbreitung rechtzeitig eingedämmt. In der Regel erkennt man den Befall allerdings erst im vierten oder fünften Jahr, wenn die Mistel sich verzweigt hat. Bei starkem Befall oder großem Pflegerückstand muss immer ein Kompromiss zwischen verschiedenen Faktoren eingegangen werden. Hierzu zählen die Wundgröße, die Statik / Astbruchgefahr, der Pflegeaufwand und die Nachsorge. Die bereits erwähnten Haustorien können eine Länge bis zu 30 cm erlangen. Somit sollte ein Mistel immer mit einem Stück Ast abgesägt werden, um einen erneuten Austrieb zu unterbinden. Je näher der Befall am Stamm, desto schwieriger ist die Entfernung der Haustorien. In manchen Fällen müsste dem Baum dann zu viel Blattmasse entnommen werden (Rumpfschnitt). Die Alternative hierzu wäre ein schonender Eingriff, also nur die Mistel abzuschneiden, was aber eine regelmäßige Nachsorge der Knopsenaustriebe erfordert. Nach solch einer Entfernung vergehen etwa 3-4 Jahre bis zur erneuten Samenbildung, der Baum bekommt aber eine „Verschnaufpause“.
Im Folgenden eine Auswahl an Werkzeugen und Einsatzmöglichkeiten:

